Delord, Armagnac in der vierten Generation

In der Gascogne, im Departement Gers, liegt das kleine Dorf Lannepax. Im Zentrum der Marktplatz, eine Kirche und der ortsübliche Tabakladen mit einer Bar, daneben ein kleines Lebensmittelgeschäft. Nichts deutet darauf hin, dass am Ende der Straße eine der wohl besten Destillen der Region aus Weißwein das „Eau de Vie“ der Gascogne destilliert.

Seit 1893 brennt die Familie Delord Armagnac. Anfangs ist Prosper Delord, Kellermeister, zusätzlich als Wanderbrenner in der Region unterwegs. Seine beiden Söhne Gaston und Georges haben den Familienbetrieb weitergeführt, alles in eine Hand genommen und Armagnac aus der Gascogne in die USA geliefert.
Ihnen ist es unter anderem zu verdanken, dass Armagnac doppelt gebrannt werden darf. In den 60er Jahren fanden einige Produzenten jungen Cognac besser als Armagnac.
Daraufhin haben sie Armagnac zum doppelten Brennen nach Cognac geschickt. Nach einer Blindverkostung haben sie entschieden, die doppelte Destillation in der Region zu erlauben. Seit 1972 brennt das Haus Delord, als eines der wenigen Armagnac-Destillen, mit dem doppelten Verfahren.
„Blanche d´Armagnac und die jungen Jahrgänge brennen wir doppelt, alles was länger gelagert wird, einfach.“   

Jacques, der älteste Sohn von Gaston, entwickelte das Unternehmen alleine weiter, ehe sich Pierre, sein älterer Bruder angeschlossen hat.

Heute führen Sylvain, er verschneidet den Armagnac, und sein Bruder Jérôme, er vermarktet das Endergebnis, den Familienbetrieb in der vierten Generation.

Auf über 40 Hektar bauen die beiden Brüder Wein an. „Der komplette Wein wird zu Armagnac, das ist unser Geschäft und das ist das, was wir am besten können.“ Dies erzählt Jerome, hinter ihm ragen gigantischen Stahltanks, in denen die Trauben zu Weißwein garen, in den grauen Himmel der Gascogne. „Angebaut werden ausschließlich traditionelle Trauben: Ugni Blanc, Colombard, Baco und Folle Blanche.“

Zwischen Weinberg und Keller

Die vier Rebsorten werden getrennt geerntet, gepresst und im Keller verarbeitet. „Um einen guten Armagnac zu brennen brauchen wir einen aromatischen, leicht säuerlichen Wein mit niedrigem Alkoholgehalt.“

Die Destillation findet im Winter statt, „Flamme de l´Armagnac“ starte Ende November und endet im März, dann muss der gesamte Wein destilliert sein und in neuen, getoasteten Eichenfässern im Keller liegen.

„In unseren Kellern befinden sich mehr als 1000 Fässer, in denen der Armagnac bis heute reift und geschützt wird.“
Im Paradise, so wird das Lager der ältesten Jahrgänge liebevoll genannt, warten in lichtgeschützen Glas-Ballonflaschen Armagnacs aus dem letzten Jahrhundert darauf, getrunken zu werden. Der älteste ist aus dem Jahr 1900.
Der Großteil des Exports geht in die USA, Russland, China und Australien.

Im zweiten Teil geht es um Fässer, Kunst und einen besonderen Tropfen.

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